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Komplette Webseite unerlaubt kopiert! Und nun?

20 Januar 2014, 7.364x angezeigt, 12 Kommentare
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Eine Webseite lässt sich "einfach" kopieren...

Eine Webseite lässt sich „einfach“ kopieren…

Ich suche nach Erfahrungen, wie Ihr mit diesem Thema umgegangen seit. Ich feue mich über einen Kommentar!

Am 8. Januar habe ich einen Brief von einem Anbieter für Privatkredite erhalten. Dieser war an mich adressiert und war die Bestätigung zur Anmeldung zu einem Partnerprogamm. Werbung natürlich?! Was aber auf den ersten Blick aussah wie Werbung, war letztlich aber eine korrekte Anmeldung, welche in meinem Namen getätigt wurde. Nachdem ich bei dem Anbieter angerufen habe, wurde mir gesagt, dass der Account auf meinem Namen läuft, jedoch andere Konto-Daten hat. Über den Namen der Anmeldung habe ich dann schließlich gesehen, dass meine Webseite vollständig auf eine andere Domain kopiert und mit Werbung bestückt wurde. WTF! Handeln war nun angesagt…

Erste Schritte

Als erstens habe ich mit der örtlichen Polizei gesprochen, mich mit einem Experten verbinden lassen und schließlich erste Beweise gesichert. Wichtig ist an dieser Stelle eine Kopie beider Webseiten (sowohl der Kopie, als auch der eigenen), sodass sich das Vergehen festhalten lässt. Hierfür habe ich das Tool SiteSucker benutzt. Im Anschluss war ich bei der Polizei und habe Strafanzeige gegen „Unbekannt“ bzgl. verschiedner Vergehen gestellt.

Innerhalb der der Strafanzeige sind verschiedene Punkte zur Sprache gekommen, welche von Fall zu Fall geprüft werden müssen. Einen kurzen Überblick gibt euch die Folgende Liste (teilweise durch Online-Recherche ergänzt):

  • STGB § 263 Betrug / STGB § 263a Computerbetrug: Das Kopieren der Webseite selbst ist noch nicht ausreichend für Betrug. Die Person welche die Webseite betreibt hat jedoch in meinem Namen Verträge unterschrieben bzw. Geschäftsbeziehungen zu anderen Unternehmen aufgebaut. Zudem geschieht dies anscheint gewerbsmäßig.
  • STGB § 269 Fälschung beweiserheblicher Daten / STGB § 270 Täuschung im Rechtsverkehr bei Datenverarbeitung: Auf diesen Paragraph wurde ich von dem Polizisten hingewiesen. Hierbei geht es um den gleichen Punkt, welcher unter Betrug steht. Meine Daten wurden vorsätzlich gegenüber Dritten benutzt, weshalb es zu der Täuschung kommt.
  • UWG § 3 Verbot unlauterer geschäftlicher Handlungen / UWG § 4 Absatz (9+10) Beispiele unlauterer geschäftlicher Handlungen: Da der „Dieb“ auf eine Art und Weise mit mir konkurriert und mir dementsprechend schadet, ist dies auch über das UWG als Missbrauch zu ahnden. Dies sollte aber explizit abgewägt werden!
  • UrhG § 97 Anspruch auf Unterlassung und Schadensersatz: Das Urheberrechtsgesetz sieht ebenfalls einige Strafen vor, welche jedoch davon abhängig sind, ob das Werk um welches es geht, die nötige Schöpfungshöhe erreicht hat. Da in meinem Fall jedoch nicht das Design kopiert wurde, sondern fast 100.000 Wörter Blog-Einträge und ca. 700 selbstgemacht Bilder, erübrigt sich die Frage glaub ich (interessanter Blogeintrag zu dem Thema). Die verschiedene Pflichten des UrhG kann jedoch nur Zivilrechtlich verfolgt werden, was ich erst anstrebe, wenn die Person identifiziert wurde.
  • BGB § 12 Namensrecht / STGB § 186 Üble Nachrede: Diese beiden Punkte haben gewiss auch Relevanz, habe ich jedoch erst einmal nicht weiter betrachtet.

Welche der Punkte relevant sind, muss von Fall zu Fall abgewägt werden (kennt ihr weitere?). Es lassen sich auch nicht die zivilrechtliche Angelegenheiten (wie z.B. Schadensersatz) von der Polizei verfolgen. Die Polizei verfolgt soweit ich das verstanden habe, ausschließlich das STGB in Form des Strafrechtes im öffentlichen Interesse. Für alles andere muss dann ein Anwalt her!

Weiteres Vorgehen

Im Anschluss an die Strafanzeige habe ich ein Aktenkennzeichen bei der Polizei erhalten unter dem die Beweise gesammelt werden. Das weitere Vorgehen war nun, dass ich – neben der Polizei – auch Anhaltspunkte und Beweise sichern kann, welche ich unter dem Aktenkennzeichen der Polizei zukommen lassen.

Nach der Anzeige ist mein primäres Ziel sowohl die Person zu identifizieren, als auch die Kopie aus dem Internet zu entfernen. Letzteres geschieht aus dem Grund, da sowohl im meinem Namen falsche Inhalte verbreitet werden könnten (Viren, pornographische Inhalte oder andere rechtswidrige Inhalte), aber auch da die Seite ja jetzt zu meiner in Konkurrenz steht. Aus diesem Grund standen Folgende Punkte auf meiner Liste:

  • Achive.org abfrage um einzugrenzen, wie lange die Webseite diesen Zustand schon hat. Dies und auch die Sichtung der Webseite ergab, dass die Kopie ungefähr Anfang Dezember gemacht wurde.
  • Eine „whois“-Anfrage an die Domain machen, sodass alle Informationen über den Eigentümer gesammelt sind. Dies wahr unglücklicher- und fälschlicherweise ich selbst, weshalb „zwischen“ den Zeilen geschaut werden muss. Auch wenn ich als Eigentümer der Domain eingetragen bin, habe ich diese nie erworben!
  • Die Werbeunternehmen der Webseite kontaktieren, dass gegen den Betreiber der Webseite ermittelt wird und der Account der Person gesperrt werden soll. Je nach Unternehmen bekommt man zudem weitere Informationen. Die Kontakt-Daten der Unternehmen habe ich an die Polizei weitergegeben, sodass diese weitere Informationen abrufen kann (Konto informieren etc.). Hier werden zudem Anmeldzeiten, IP-Adressen und weitere technische Merkmale hinterfragt.
  • Google informieren, sodass die Webseite aus dem Index entfernt wird. „Digital Millennium Copyright Act“ unterstützt einen dabei, das dies schnell und „reibungslos“ funktioniert. Da es sich um eine „exakte“ Kopie handelt, welche nicht genehmigt wurde und gegen Urheberrecht verstößt klappt dies gut. Das Verfahren dauert 2-3 Tage. Nachteil ist jedoch, dass jede URL einzeln angegeben werden muss.

Fazit

Ich habe in diesem Blog-Eintrag weder Firmen noch die Domain unter der die Kopie meiner Webseite betrieben wird/wurde genanten. Dies ist Absicht und ich bitte dies in den Kommentaren ebenfalls zu berücksichtigen. Erwähnenswert finde ich es dennoch, dass ein Online-Dienst eine Bestätigung per Post verschickt, was anscheint nicht üblich ist, da in meinem Namen mehrere Accounts angelegt wurden. Ohne die Benachrichtigung per Brief wäre ich nicht auf dieses „Problem“ aufmerksam geworden. Vielen Dank dafür! Schade finde ich auf der anderen Seite, dass manche der Werbepartner auf Rückfrage zwar den Account blockieren, aber auf der Webseite weiter Werbung schalten lassen. Dies sind quasi zu 100% Einnahmen, da deren Kunde ja Einblendungen erhalten, aber kein Webseitenbetreiber die Einnahmen erhält. Ein wirklich dreistes vorgehen!

Nun die Frage an euch. Hattet ihr als Webseitenbetreiber schon einmal ein ähnliches Problem? Wie seit Ihr vorgegangen? Was habt ihr zusätzlich unternommen? Freue mich auf Feedback und halte euch auf dem laufenden, wenn es nennenswerte Neuigkeiten gibt.

ACHTUNG: Dieser Beitrag ist weder eine Rechtsberatung noch ein Best-Practise Tutorial. Für eine detaillierte Information empfiehlt sich immer ein guter Anwalt oder der Gang zur Polizei.

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Tim Lochmüller Autor
Name: Tim Lochmüller
Webseite: http://typo3blogger.de
Posts: 204 Posts

12 Kommentare »

  • Alex Kellner
    Alex Kellner sagt:

    Hi,

    das ist echt ein starkes Stück. Ich bewundere deine Ausdauer und hoffe dass du erfolgreich bist. Halte uns auf dem Laufenden!

    Alex

  • Julian
    Julian sagt:

    Schöner Artikel und ein wichtiges Thema! Ich denke zudem du hast genau richtig gehandelt und falls ich mal in die Situation kommen sollte, würde ich es wahrscheinlich genauso machen. Was mich aber wundert: Wie kannst du als Domaininhaber eingetragen sein? Ich hätte jetzt erwartet dass man die angegebenen Daten wie Name und Adresse in irgendeiner Weise validieren muss. Bist du denn auch als Admin-C für diese Domain eingetragen?

    Ich würde sonst noch versuchen einen IT-Forensiker oder jemanden der vielleicht weitere Infos finden kann aufzusuchen. (davon gibt es auch ein paar in der SEO Szene)

    PS: War das für die Polizei eigentlich völlig normal oder haben die dich erstmal nicht für voll genommen? ;)

  • Tim Lochmüller
    Tim Lochmüller (Autor) sagt:

    Hey Julian, bei der Domain bin ich bei allen drei Punkten eingetragen (Zone, Admin und Tech). Wie das läuft weiß ich nicht. Domain und Server steht in den USA, wo man ja noch hoffen kann das es dort besser abläuft als in manchen anderen Ländern. Als Telefonnummer war z.B. ein anderen Unternehmen aus DE eingetragen. Ausschließlich die E-Mail war eine hotmail-Adresse. So wie das aussieht, hat das für die Anmeldung der Domain gereicht.

    IT-Forensiker ist auch eine gute Idee, aber ich versuche die Kosten bei mir erst einmal gering wie möglich zu halten, solang die Person noch nicht identifiziert ist oder der Schaden noch nicht alzugroß ist.

    Bei der Polizei ist es wichtig mit einem „Experten“ zu sprechen. Ich bin auch nicht zu den Beamten im ländlichen Werther gegangen, sondern habe mir einen Termin auf einer der 3 Hauptwachen in Bielefeld geben lassen. Die Person wusste schon worum es geht, wobei man nicht erwarten kann, dass jedes Detail verstanden wird. Aber da ist man als Web-Developer natürlich ein wenig tiefer in der Materie ;)

    Beste Grüße,
    Tim

  • Blogger und Ethik: Was darf ein Blogger und was nicht? | 360°Friends
    Blogger und Ethik: Was darf ein Blogger und was nicht? | 360°Friends sagt:

    […] leben kann, solange dies in dem Rechtsspielraum der jeweiligen Gesetze liegt (ein Beispiel was ethisch und rechtlich nicht korrekt ist). In der Gesetzgebung in Deutschland ist schon eine Menge geregelt, was die Werbung oder der […]

  • Timo
    Timo sagt:

    Hallo Tim,

    erinnert mich von der Strategie her an http://www.seohelfer.de/marketing/aufgedeckt-grosses-netzwerk-fuer-affiliatebetrug-aus-china-143.html

    Webseite kopieren, ab zum Partnerprogramm und dann abkassieren. Alles natürlich im Namen eines anderen Webmasters, vermutlich auch durch Fraud bei den Partnerprogrammen.

    War im letzten Jahr selber betroffen und habe auch Anzeige gestellt (alleine schon, um mich selber zu schützen). Ergebnis war aber, dass die Akte ziemlich zeitnah wieder geschlossen wurde, da der oder die Täter nicht ermittelt werden konnten.

    Viele Grüße,
    Timo

  • Tobi
    Tobi sagt:

    Hej Tim,

    gibt es zu diesem Thema eigentlich Neuigkeiten?

    Gruß, Tobi

  • Tim Lochmüller
    Tim Lochmüller (Autor) sagt:

    Nein, nix neues. Nur die 4-5 Tage nach der Anzeige, habe ich etwas von der Polizei gehört. Seit dem nichts mehr. Ich bin aber noch an dem Google Index dran, sodass die Seite raus kommen… Auch den Joker (wir sprachen ja persönlich drüber) habe ich noch nicht ausgespielt… ;)

  • Tim Lochmüller
    Tim Lochmüller (Autor) sagt:

    UPDATE: Die fremde Webseite ist inzwischen nicht mehr im Netz. Es wurde ein neues Opfer gefunden und eine andere Webseite kopiert :( Keine schöne Lösung, aber eine welche mein Problem löst. Die Anzeige ist weiterhin offen… welchen Anteil die Polizei daran hatte, weiß ich nicht. Bin jedoch froh das die Seite nun aus dem Netz ist.

    Grüße,
    Tim

  • Jahresrückblick 2014 – inkl. Statistiken | 360°Friends
    Jahresrückblick 2014 – inkl. Statistiken | 360°Friends sagt:

    […] sehr erfolgreiches Jahr. Wir haben 21 Artikel veröffentlicht. Dabei ging es sowohl um uns (“Komplette Webseite unerlaubt kopiert! Und nun?“) um zahlreiche Events (u.a. “Besuch im Zoo Osnabrück“, “Kanutour […]

  • Tim Lochmüller
    Tim Lochmüller (Autor) sagt:

    UPDATE: Inzwischen habe ich von der Polizei Feedback, dass die Überprüfung von zwei Personen eingestellt wurde. Von diesen wurden wahrscheinlich ebenfalls einfach die Daten missbraucht, weshalb die im Rahmen meiner Anzeige überprüft wurden. Die eigentlichen Täter werden sich wohl nicht mehr auffinden lassen…

  • Oli
    Oli sagt:

    Hi Tim,
    während ich diese Zeilen schreibe lädt SiteSucker (Danke für den Tipp) gerade den Clone meines Blogs runter. Jemand hat meine Seite frech kopiert, sich ins Impressum geschrieben und verfügt so über all meine Bilder.

    Blöd nur dass dieser Intelligenzallergiker ein Mensch aus Deutschland (laut Impressum) zu sein scheint.
    Der RA ist bereits zugange. Mal sehen wie es ausgeht.

    Ganz schön nervig!

  • Tim Lochmüller
    Tim Lochmüller (Autor) sagt:

    Das klingt nicht gut. Drücke die Daumen, dass alles glatt geht. Bei mir stand auch wer deutsches im Impressum, war aber hinterher nicht der Täter, sondern auch nur ein Geschädigter…. ToiToiToi

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